Lobby Blog
Montag, Juli 11, 2005
  US Verbandstypen
Die US-amerikanischen Verbände sind bis heute von der - im Vergleich zu Westeuropa ? Schwäche des Interventionsstaates geprägt. Sie sind lose und dezentral organisiert. Folgende Verbandstypen lassen sich unterscheiden:

Verbände von Kapital und Arbeit: Trotz des hohen Konzentrationsgrades der US-Wirtschaft gibt es keine allumfassenden, zentralistischen Unternehmensverbände, die etwa dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) vergleichbar wären. Die transnationalen Großkorporationen nehmen vielmehr ihre Interessen selbst in die Hand und vertreten sie nach außen, indem der Vorstandsvorsitzende direkt mit den für ihn wichtigern Vorsitzenden von Ausschüssen oder Unterausschüssen im Kongress oder mit den Leitern von Behörden verhandelt.

Auch die Gewerkschaften in den USA sind locker organisiert, föderal und dezentral aufgebaut. Das eigentliche Machtzentrum der Gewerkschaften sind die locals, die Betriebsgewerkschaftsorganisationen. Sie schließen in der Regel mit den jeweiligen Unternehmern oder mit den lokalen oder regionalen Unternehmensverbänden Tarifverträge ab.

Standes- und Berufsverbände gehören zu den erfolgreichsten Interessengruppen in den Vereinigten Staaten. Es handelt sich um den Zusammenschluss einzelner Berufsgruppen, die - wie Arzte, Rechtsanwälte, Autohändler oder Makler - selbstständig und als mittlere Unternehmer arbeiten oder - wie Lehrkräfte ? im öffentlichen Dienst beschäftigt sind. Diese Verbände sind deswegen so erfolgreich, weil sie bundesweit und flächendeckend organisiert sind und in jedem Kongress- und selbst Landtagswahlkreis Mitglieder und Aktivisten haben, die die Öffentlichkeit zu mobilisieren verstehen.

Als traditionelle Ein-Punkt-Organisationen werden Verbände bezeichnet, die ein ganz spezifisches, eng begrenztes Interesse vertreten, das allerdings höchst unterschiedlicher Art sein kann. Zu ihnen zählen die American League to Abolish Capital Punishment, die sich für die Abschaffung der Todesstrafe einsetzt, oder die Anti-Saloon-League, die für ein Alkoholverbot kämpft.

Public Interest Groups sind Verbände, die kein wirtschaftliches Eigeninteresse verfolgen, sondern die sich dem Gemeinwohl verpflichtet fühlen. Sie setzen sich beispielsweise dafür ein, Gefahren von Atomkraftwerken für Umwelt und Mensch zu bannen oder die Wahlkampffinanzierung so zu regeln, dass Chancengleichheit zwischen konkurrierenden Kandidaten besteht.

Ideologische Gruppierungen sind solche Verbände, die mit bestimmten politischen Strömungen in Verbindung stehen und versuchen, ihre Ziele wie ein traditioneller Interessenverband mit den Mitteln des Lobbying, aber auch durch die Teilnahme an Wahlkämpfen durchzusetzen. Einige dieser Gruppen verfolgen das Abstimmungsverhalten von Mitgliedern des Kongresses und der Landtage genau und veröffentlichen entsprechende voting records, die anzeigen, wie konservativ oder wie liberal ein Parlamentarier abstimmt - und ob er bei den nächsten Wahlen unterstützt werden soll oder nicht.

Interessenvertretungen der Gebietskörperschaften sind Organisationen, die mit unseren politischen Körperschaften des öffentlichen Rechts wie dem Deutschen Städtetag verglichen werden können. Da gibt es die Vereinigung der US-amerikanischen Städte, die der Bürgermeister, der Landgemeinden, der Kreise, der Schulbezirke, der Einzelstaaten und, der Gouverneure. Sie alle unterhalten Verbindungsbüros in Washington D.C. Das gleiche gilt auch für jeden Einzelstaat und für viele der großen Städte, Sie alle haben ihre Botschaften in der Bundeshauptstadt - oder besser gesagt: ihre Lobbybüros. Ihr Hauptziel ist, möglichst viele Bundesgelder für sich zu ergattern und darauf zu achten, dass die Gesetze und der Bundeshaushalt entsprechend formuliert werden.
 




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